Warum es wahren Mut braucht, sich seelisch nackt zu zeigen

2 Kommentare

Seit Monaten sitze ich nun immer wieder an meinem Schreibtisch, in irgendeinen Café oder irgendwo mitten in einem der wunderschönen Wälder des Sauerlandes. Doch wie ihr vielleicht bemerkt habt, werde ich immer leiser. Vor mir liegt immer wieder ein leeres Blatt Papier, obwohl mein Kopf voll ist und ich tausende Ideen habe und so viel zu sagen. Doch nichts passiert. Weil ich mich entblößt fühle. Wenn ich schreibe, fühle ich mich einfach nackt.IMG_5478

Als Nacktheit bezeichnet Wikipedia die Kleidungslosigkeit von Menschen oder die Haar- oder Federlosigkeit von Tieren.

Doch um diese Nacktheit soll es in diesem Betrag nicht gehen. Diese „Blöße“ finde ich einfach nur wunderschön. Es gibt in meinen Augen kaum etwas Schöneres als nackte Haut. So natürlich und verletzlich. Einfach nur inspirierend. Auch wenn die Gesellschaft dieses Thema gerne sexualisiert, tiefe Ausschnitte und knappe Kleider kritisiert? Für mich hat es etwas mit Sinnlichkeit zu tun. Es gibt jedoch einen schmalen Grat zwischen Sinnlichkeit und billig. Ich habe keine Scham meinen Körper zu zeigen. Wenn es jemand als billig bezeichnet, weil eine Frau etwas mehr Haut zeigt, sollte er seine gute Nacht Lektüre mal auswechseln.

Wie man auf die Meinung der Anderen bei diesem Thema scheißt? Immer dran denken, dass was sie bei euch verurteilen, schauen sie sich Abends heimlich in ihren Sudelheften und gute Nachtfilmchen an. Brüste bleiben Brüste und Vaginas bleiben Vaginas. Da ist nichts Neues. Warum andere dafür verurteilen?

Es ist nur eure körperliche Hülle. Alles was ihr zeigen könnt, hat man in jedem Porno schon gesehen oder Nachmittags auf RTL. Natürlich sind die Ausführungen immer individuell. Aber von der Nacktheit, von der ich spreche, ist die, wenn ihr sprecht. Eure Gedanken freien Lauf lasst und eure Seele entblößt. Eurer wahres Wesen zeigt.

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Diese Nacktheit macht mir wahnsinnige Angst. Sie hemmt mich. Im Kontakt mit anderen und ja sogar zu mir selbst entsteht eine Blockade. Dieses „Sei einfach du selbst, alle anderen gibt es schon-Gedöhns“ ist gar nicht so leicht wie gesagt. Es ist einfach nur unnormal schwer. Man hat Angst seine Gedanken preis zu geben, weil diese „Blöße“ ist erst wirkliche Verletzlichkeit. Man erlaubt den anderen in sein Inneres zu schauen.

Und automatisch steigt die Angst. Vor der Ablehnung anderer Menschen, wenn man sich so zeigt, wie man wirklich ist. Es ist so viel leichter einfach still zu bleiben und seine Gedanken für sich zu behalten. Doch so zieht man nur die falschen Menschen an. Ich meine, du bist nicht mal ehrlich zu dir selbst, wie willst du da ehrliche Menschen anziehen. Die dich bedingungslos lieben? Wie soll, dich dein Umfeld richtig lieben können, wenn du nicht du selbst bist?

Oft stecken wir deshalb in Beziehungen und Freundschaften fest, die einfach nur toxisch sind. Sie lassen dich einsam und unverstanden fühlen. Hast du das Gefühl irgendwas stimmt nicht mit dir? Dass du alles falsch machst? Jap, klares Anzeichen dafür, dass du das falsche Umfeld hast.IMG_5497

All das, habe ich die letzten Monate erst gelernt. Auf einmal kamen Menschen in mein Leben, bei denen ich mich das erste Mal so richtig nackig machen konnte und ihr glaubt nicht, wie viel Angst mir das machte. Ich habe mich ihnen gezeigt. Wer ich bin. Wie ich bin. Was mir so auf der Seele liegt. Noch nie zuvor habe ich mich so verletzlich gefühlt. Natürlich ging ich davon aus, dass ich es bitter bereuen würde. Doch ob ihr es glaubt oder nicht- als ich mich angefangen habe zu öffnen, desto mehr Menschen traf ich, die mich wirklich lieben. Mich so nehmen wie ich bin.

Das erste Mal habe ich erfahren was Freiheit bedeutet.

Ich habe gelernt, wenn ich meine Maskerade fallen lasse, so lassen auch die anderen ihre Masken runter. Und wenn, jeder das tun würde, dann gäbe es auch keine Angst mehr vor dieser Nacktheit.

Hast du jemals ein Tier gesehen, das sein wahres Wesen versteckt? Nein. Das tun nur wir Menschen.

Wenn jeder nackt ist, sein wahres Ich offenbart, dann gibt es keine Blöße mehr und erst dann fangen wir an unbekümmert und in Freiheit zu leben.

Wofür entscheidest du dich?

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2 comments on “Warum es wahren Mut braucht, sich seelisch nackt zu zeigen”

  1. Guten Morgen Anna, sehr offen geschrieben, ohne etwas zu verraten, worauf es ankommt, ist aber klar ersichtlich. Deine Passage, wenn du dich falsch fühlst, bist du im verkehrten Umfeld, kurz gesagt, ist sehr spannend, denn wie groß ist der Radius dieses Feldes? Partner, Freunde und Familie, Wohnumfeld, Kollegen, Kunden, Mitarbeiter, der Stadtteil, die Stadt, die Region, das Bundesland, das Land? Den größten Einfluss erfährt man sicher im Freundeskreis. Den sucht man sich aus und, wie Du sehr gut beschrieben hast, den zieht man an durch die Art, wie man sich gibt. Ein sehr weites Thema insgesamt. Für die Menschwerdung aber essentiell, meine ich. Und eine Antwort?
    Nur dann, wenn ich mein Herz zeige, kann es erkannt werden, wenn ich mich öffne, so entsteht eine Beziehung zu einem anderen Herz, ob als Liebe oder Freundschaft, das ist für mich sehr ähnlich. Klar gibt es auch Verletzungen dabei, weil einer immer wieder mal einen Schritt zu weit, zu früh, zu schnell oder in eine andere Richtung macht, aber den Weg kann man nur gemeinsam gehen, wenn man sich fühlt. Verletzungen tun weh, doch sie stärken, wenn man erkennt, dass sie in den meisten Fällen nicht mit Absicht erfolgen, auch wenn es oftmals so aussieht. So, schon viel zu lang, der Kommentar, ich hoffe, es ist Dir nicht zu viel, ich wünsche Dir eine schöne Restwoche, freundliche Grüße, Olaf

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  2. Was für ein wunderschöner Text Anna ❤
    Und noch dazu so traumhafte, sinnliche und äesthetische Bilder – einfach wundervoll umgesetzt dieses Thema
    Und ich finde es sowieso total spannend und bin der Meinung, dass die Gradwanderung sowieso viel mit der Persönlichkeit und Ausstrahlung der Person zu tun hat.
    Das eine solche innere Blöße und das Fallenlassen von Masken mit Personen das Gefühl von wahrer Freiheit geben glaube ich im übrigen auch. Und solche Menschen sind einfach wundervoll…

    Liebst,
    Pauline ❤

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